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  • Jennifer Pauli

Design Thinking ist nicht die Wunderwaffe, die alle gerne hätten

Was kann Design Thinking und was nicht? Um Enttäuschung und Frustrationen zu vermeiden, ist es gut vorab zu wissen auf was man sich da eigentlich einlässt. Ich habe aus meiner Praxiserfahrung die 5 besten Anwendungs-Cases und die 5 No Go's für Design Thinking zusammengestellt.



Zuerst: Was ist Design Thinking (DT) eigentlich? Laut der School of Design Thinking ist Design Thinking eine systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen aus allen Bereichen des Alltags. Ziel von Design Thinking ist es Lösungen zu entwickeln, die aus der Nutzerperspektive überzeugend sind. Dazu bietet DT einen mehrstufigen Prozess, mit einem breiten Methodenkasten, der dazu beiträgt die Erfolgswahrscheinlichkeit der Problemlösungen zu erhöhen. Der Prozess teilt sich in den Problemraum und den Lösungsraum. Das bedeutet, dass immer erst das Problem analysiert wird und erst dann, wenn dieses vollumfänglich verstanden wird, werden Lösungen entwickelt. Die Lösungen werden dann als Prototypen entwickelt und iterativ mit Anwender*innen getestet. Entscheidend für den Erfolg ist neben dem Prozess, ein multidisziplinäres Team und flexible, freie Räume, in denen das Team denken und arbeiten kann. Das geht auch digital sehr gut, mit digitalen Whitboards, wie z.B. Miro, Mural oder Concept Board. Sowie ein Workshop Facilitator oder Design Thinking Coach, der das Team durch den Prozess begleitet und dafür sorgt, dass das Team voran kommt und der Zeitrahmen eingehalten wird.


Wann ist es nun sinnvoll mit Design Thinking zu arbeiten? Um das zu entschieden ist es wichtig das Ziel festzulegen, welches von einem Team oder in einem Prozess erreicht werden soll, und die Erwartungshaltung des Unternehmens an das Projekt oder das Team klar zu kommunizieren. Davon ausgehend lassen sich 5 Best Case Szeanrios und 5 No Go Cases für Design Thinking definieren.


5 Best Cases


(1) Produktentwicklung & Innovation

Design Thinking schult die Anwender*innen darin einen nutzerzentrierten Fokus zu entwickeln. Dafür ist es wichtig den Nutzer*in als Expert*in ihres eigenen Alltags anzuerkennen und von ihm zu lernen. Dann eröffnen sich viele Möglichkeiten neue Produkte und Services zu entwickeln aber auch bestehende zu verbessern.

(2) Team Building

Der Design Thinking Prozess ist sehr intensiv und erfordert vollen Fokus auf das Thema aber auch die Teamarbeit. Besonders schweißt der gemeinsame Lernprozess zusammen.

(3) Personalentwicklung & Agiles Mindset etablieren

Der Prozess bedient sich Methoden aus verschidenen Fachbereichen wie z.B. Psychologie, Design, UX & UI Design, IT, BWL und Anthroplogie. Das bietet die Chance für jeden Mitarbeitenden sich sowohl im Teamgefüge, als auch thematisch und methodisch weiterzuentwickeln. Besonders wertvoll ist aber das permanente Feedback in dem Prozess. Sowohl innerhalb des Teams, als auch mit den Nutzer*innen & Expert*innen des bearbeiteten Themas, finden permanent Feedback- und Iterationsschleifen statt. Damit wird eine Reflexion angestoßen, die für eine besonders nachhaltige Lernerfahrung sorgt.

(4) Mitgestaltung & Partizipation

Im Design Thinking gibt es keine Hierarchien. Kein Fachbereich ist wichtiger odert "wirtschaftlicher" als der andere. Nur durch die multiperspektische Bearbeitung des Themas kann ein nachhaltig erfolgreiches Ergebnis entstehen. Demnach treffen immer alle gemeinsam Entscheidungen oder legen ihre Bedenken und Einwände dar. Der ultimative Entscheider ist aber letztlich nicht das Team, sondern der Nutzer*in. Co-Kreation mit Expert*innen und Nutzer*innen wird groß geschrieben, ebenso absolute Transparenz innerhalb des Teams.

(5) Abteilungsübergreifendes & multidisziplinäres Arbeiten

Die Zusammenarbeit in einem Desgin Thinking Projekt führt zu aktivem Austausch zwischen Abteilungen, baut neue Beziehungen und Netzwerke innerhalb des Unternehmens auf und sorgt für die Entstehung gemeinschaftlichem neuen Wissens. Das hält oft weit nach dem Design Thinking Projekt noch an, dass sich abteilungsübergreifend austgetauscht wird, um sich verschiedene Perspektiven und Meinungen auf ein Thema einzuholen.


Die No Go Cases sind zu verstehen als Anwendungsfelder oder Projektvorhaben, die mit dem Design Thinking Prozess in seiner Gesamtheit nicht zielführend bearbeitet werden können. Es ist wahrscheinlich, dass die Bearbeitung dieser Fälle mit dem Design Thinking Mindset und Methodenkoffer eher zu Frustration und einer Ablehnung der Arbeitsweise führt weil das gewünschte Ergebnis sich damit nicht erzielen lässt. Daher lieber das Projekt nochmal hinterfragen, den Einsatz von Design Thinking hinterfragen und ggf. sich mit einer Expertin in agiler Projekt- & Prozessgestaltung austauschen.


5 No Go Cases

(1) Implementierung einer bereits existierenden Idee oder eines Projekts

Design Thinking dient dazu bestehende Muster zu entdecken, Gewohnheiten zu hinterfragen und Möglichkeiten zu explorieren, die einen wirklichen Mehrwert für die Nutzer*in schaffen. Steht eine Lösung längst fest und soll nur noch realisiert oder in bestehende Prozesse eingefügt werden, ist Design Thinking nicht der geeignete Ansatz. Dafür sollte besser mit Scrum oder klassischem Projektmanagement gearbeitet werden. Design Thinking impliziert, dass Neues entwickelt wird, wenn aber kein Raum mehr für Veränderung oder Weiterentwicklung ist dann braucht es kein Design Thinking.

(2) Validierung bestehender Lösungen

Design Thinking ist kein Marktforschungsinstrument im klassischen Sinne. Deshalb werden keine quantitativen Interviews geführt oder Fokusgruppen durchgeführt. Beim Design Thinking geht es darum ein holisitisches Bild von einer Thematik zu bekommen und dann durch Prototyping & Testing im engen Austausch mit den Nutzer*innen Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Um die Design Thinking dür die Validierung von bestehenden zu nutzen, muss gegeben sein, dass es möglich ist die Lösung noch zu hinterfragen, zu verändern, anzupassen oder auch einen Pivot einzulegen. Es braucht Offenheit für Veränderung. Um so fertiger und perfekter aber eine Lösung bereits ausgearbeitet ist, um so weniger offen ist man für Feedback. Dann kann man sich Design Thinking sparen.

(3) Abteilungsinterne Ideenentwicklung

Für den Erfolg von Design Thinking wird geraten in multidisziplinären, heterogenen Teams zu arbeiten. Daher ist ein Design Thinking Prozess mit einem reinen Marketing oder IT Team eher wenig erfolgversprechend. Das Problem, was dann häufig auftritt ist, dass die Lösungen nicht innovativ sind und oft sehr nah an dem sind, was es schon gibt.

(4) Marktforschung & Marketing-Maßnahmen

Design Thinking ist kein Marketing-Tool und auch kein Marktforschungs-Tool.

(5) Agile Transformation & Einführung von selbstorganisiertem Arbeiten

Das Design Thinking Mindset fügt sich gut in die Werte des agilen Manifests ein, dennoch ist mit einem Design Thinking Projekt nicht direkt die agile Transformation eingeläutet. Dafür braucht es weitaus mehr. Wenn ein Unternehmen vorhat sich agil aufzustellen und in einen Change Prozess zu gehen dann kann Design Thinking lediglich ein kleiner Baustein in dem ganzen sein aber nicht die ganze Lösung.

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